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Klaus Gerrit Friese: Zu den Radierungen Dieter Kriegs

(Gekürzte Fassung des Beitrags zum Buch Dieter Krieg. Radierungen, 1999). Beispiele zu diesem Werkkomplex finden sich unter Radierungen. )

Radiert hat Dieter Krieg schon in den 80er Jahren. Eine eigenständige, größere Bedeutung nimmt die Radierung jedoch erst ab 1990 ein. Bei den ersten Arbeiten radierte Krieg auf Kupferplatten, danach benutzte er Aluminium. Die letzten Radierungen haben sämtlich das Plexiglas als Druckträger, ein Material, das in Kriegs Arbeit eine wichtige Rolle spielt: Der Identität dieses Materials - von der Acrylfarbe der Bilder, den auf ihnen montierten Acryl- oder Plexigläsern bis zu den Plexiglasplatten als Druckträgern - hat Klaus Gallwitz in einem Katalog der Bilder Kriegs eine Studie gewidmet (Stuttgart 1999).

In den Radierungen dokumentiert sich die Entwicklung einer eigenen Bildsprache. Bewegten sich die ersten Blätter im gewohnten Kanon, was das Format der Platten und die Variation der Motivik innerhalb seines Werks betrifft (dies sind Formulierungen unbeschadet der Qualität der einzelnen Arbeit), so entwickelt sich seit etwa 1991 mit der Serie Trost - Verlust etwas vollkommen Eigenständiges. Seine Wortradierungen von 1997 nehmen die Grenzen der Gattung Graphik in den Blick und entwickeln an dieser Grenze suggestive Bildlösungen.

Seine Gegenstände - und als solche behandelt Krieg auch Worte - sind nicht in Kunst erhöhte Dinge der Alltagskultur oder immer schon ikonographisches Reservoir. Vielmehr macht sich Krieg in seiner Themenwahl das Schwanken zwischen vollziehendem Gebrauch und wissender Mißachtung zunutze. Dabei argumentieren die Graphiken mit einer Direktheit, die aber - und damit wird der Eindruck der Direktheit umformuliert - nicht auf Unmittelbarkeit beruht. Sie verschafft den ausgewählten Dingen, Worten übergroße Erscheinung, ohne auf Überwältigung angelegt zu sein. Wenn es das Erschrecken vor der plötzlichen Realität dessen gibt, das nur noch als Metapher bekannt war, dann gibt es angesichts der Radierungen Kriegs das Erkennen, daß etwas Bild wird, das nur unbedeutende Wirklichkeit zu sein schien.